curated by Anya Harrison
Gebrochenes Herz. Crèvecoeur. Zwei miteinander verbundene Wörter, die für immer zusammenbleiben. Das Bild eines Herzens, das in tausend Stücke zerbrochen ist, der Kompass des Körpers, der nicht länger fähig (oder willens?) ist, das lebenserhaltende Blut zu spenden, hat mich immer beeindruckt. Das Spüren einer Nervenbahn, eines explodierenden Energiefelds tief im Inneren, das eine körperliche Form bekommt. Überwältigend, unerträglich, intensiv, es ist ein nie versiegender Schmerz, ein Phantomkörperteil, das unwiederbringlich an seine Abwesenheit erinnert. Kein Wunder, dass es Leute gibt, die eine Scheißangst vor der Liebe haben. Seit siebzehn Monden schreie ich. Komm heim, ruf ich dir zu, Vor Henkern auf den Knien für dich. Bei dem Gedicht Requiem, das die russische Dichterin Anna Achmatowa 1940 geschrieben hat, aber das wegen der Kontroversen über die Themen, die in ihm angesprochen werden, erst 1987 veröffentlicht wurde, handelt es sich um ein Klagelied über die Liebe, den Verlust und das Leiden. Indem Achmatowa die Mikro- und die Makroebene, Politik und aktuelle Geschehnisse sowie Geschichten über von ihr gemachte Erfahrungen (in anderen Worten: erzwungenes Verschwinden und Exil, zum Beispiel ihres Ehemanns und Sohns, aber auch Millionen anderer, Fremde, die durch die gleiche Tragödie verbunden sind) miteinander verwebt, entfesselt sie einen Strudel der Gefühle, in dem sich Kummer, Unglauben, Trauer und Entschlossenheit abwechseln. Wenn man diesen Gedichtzyklus neu liest, könnte er auch ein Zeugnis der Liebe und ihres Doppelgängers sein. Weil die Liebe an sich ein zweischneidiges Schwert, wenn nicht gar janusköpfig, ist, und untrennbar mit Verlust, Angst und Schmerz verbunden. Sie ist ein Risiko, das Nerven aus Stahl verlangt. Zu lieben bedeutet, sich der Prämisse des Todes zu überlassen. Wie weit bist du bereit zu gehen? Die Multimediaarbeiten von Penny Goring passen in diesen Kontext: sie sind durchzogen von einer Konstellation aus Gefühlen und Affekten, die von
curated by Anya Harrison findet am 15. September 2026 bei Galerie nächst St. Stephan statt.
15. September 2026
Galerie nächst St. Stephan · Domgasse 6, 1010 Wien
Dieses Event liegt im Grätzl Innere Stadt (Wien) (1. Bezirk) – bekannt als kaiserlich, prunkvoll, trubelig.
Nächste Öffi-Haltestelle: Riemergasse (3A), ~150 m.
In der Nähe
- Roland Hanak "Romantic Geometries & a subterranean Zoo" — 1. September 2026, 18:00
- Die Garderobe des Belcanto — 1. September 2026, 10:30
- Helga Philipp "Bewegungsräume" — 1. September 2026, 10:00
- Über die jüdische Perücke — 1. September 2026, 10:00
Sehenswert in der Nähe: Stephansdom, Ankeruhr, Griechenkirche zur Heiligen Dreifaltigkeit.
Tickets ↗Nichts verpassen.
Falls weitere Termine dazukommen, erfährst du es zuerst.
Höchstens 1 E-Mail pro Woche · Bestätigung per Double-Opt-in · jederzeit abmeldbar